Editorial zum Schwerpunkt „Literarische Gegenöffentlichkeiten“

Editorial

Die neunte Ausgabe von Undercurrents – Forum für linke Literaturwissenschaft widmet sich der Diskussion historischer und zeitgenössischer Formen von literarischen Gegenöffentlichkeiten. Während der Begriff ‚Gegenöffentlichkeit‘ ursprünglich auf die 1970er Jahre zurückdatiert und die Herausforderung bezeichnet, der sich die hegemoniale (bundesrepublikanische, bzw. westliche) Öffentlichkeit ausgesetzt sah, haben sich vergleichbare Äußerungsformen auch abseits und nach dem Ende der linken Bewegungen dieser Zeit erhalten. Weiterlesen

Karl Schwitters: Können Intellektuelle sprechen? Präliminarien zur Frage einer Gegenöffentlichkeit 3.0

Schwitters_Intellektuelle

  1. Satz: Schweigen

Erich Maria Remarque liegt in einem kleinen Ort bei Ascona begraben. Heute, in einer Zeit neuer Kriegsbegeisterung, die sich noch als Terrorismusabwehr und Kontrolle von Flüchtlingen mehr schlecht als recht tarnt, und ihrer intellektuellen Flankierungen, ist die Erinnerung an ihn – so wie an Ascona als Ort der Künstler_innen und Intellektuellen – ein Echo aus ferner Zeit. Weiterlesen

Jonas Frick: Jacques Mesrines „Der Todestrieb“ und die Frage der literarischen Gegenmacht

Frick_Der Todestrieb

„Die fortbestehende Aura von Mesrine hat weniger mit seiner Geradlinigkeit und seiner Unverfrorenheit zu tun als mit seinem Unterfangen, sich daran zu rächen, woran wir uns alle rächen sollten.“ (Unsichtbares Komitee: Der Kommende Aufstand) Weiterlesen

Stefanie Retzlaff: Produktionen von Gegenöffentlichkeit. Zu Uwe Sonnenbergs „Von Marx zum Maulwurf. Linker Buchhandel in Westdeutschland in den 1970er Jahren“

Retzlaff_Sonnenberg

„Ohne Theorie keine Revolution“ – dieses Motto trugen um 1970 all jene durch die Straßen westdeutscher Universitätsstädte, die sich in einem der im Verband des linken Buchhandels (VLB) organisierten Buchläden mit lesbarem Rüstzeug ausgestattet hatten. Weiterlesen

Birgit Dahlke: Öffentlichkeit als Problem. Zur Geschichte der inoffiziell publizierenden Literaturszene in der DDR ab 1979

Dahlke_Gegenstimmen

wacker haben wir uns geschlagen

als wir beieinander lagen

auf den lippen einen schlager

aus dem kontemplationslager SBZ (Papenfuß 1998, 10)

Der poetisch pointierte Rückblick von Bert Papenfuß, einem Aktivisten der unabhängigen DDR-Literaturszene im Umkreis der inoffiziellen Kleinstreitschriften, nahm 1998, in den Hoch-Zeiten der deutsch-deutschen Deutungskämpfe um alles und jedes das Urteil der Szene-Verächter ironisch auf. Kontemplation? Weiterlesen

Florian Kappeler: Philipp Schönthalers „Portrait des Managers als junger Autor“

Kappeler_Schönthaler

Erzählen ist keine anthropologische Universalie, sondern eine aktuelle Managementtechnik. So lautet die These Philipp Schönthalers in seinem 2016 bei Matthes & Seitz erschienenen Essay Portrait des Managers als junger Autor, die angesichts einer Situation, in der das Erzählen zunehmend als Grundkonstante menschlicher Kultur entdeckt wird, durchaus provokant anmutet. Weiterlesen

Filippo Smerilli: Vom Ende kritischer Wissenschaften – oder vom Anfang des Widerstands gegen den neoliberalen Umbau der Hochschulen in Deutschland?! Alex Demirovićs Beiträge in „Wissenschaft oder Dummheit? Über die Zerstörung der Rationalität in den Bildungsinstitutionen“

Smerilli_Demirović

Vorstellbar sind Universitäten, an denen kritische Wissenschaftler_innen als Vertreter_innen einer akademischen Gegenöffentlichkeit Raum für ihre Arbeiten hätten. Weiterlesen