THE HISTORY OF WHITE PEOPLE als Denkanstoß für die germanistische Disziplin

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Susanne Fuchs

Abstract

Dezember 2016, in einem Zug quer durch die Vereinigten Staaten. Vor dem Fenster die Wüstenlandschaften Nevadas, neben mir auf dem Tisch im Panoramawagen: The History of White People, ein dickes, in strahlendem Weiß gebundenes Buch der Autorin Nell Irvin Painter. Es ist nur wenige Wochen her, dass Teile der wahlberechtigten Bevölkerung den 45. Präsidenten der USA wählten. Die Reisenden im Raum zwischen den „blauen“ Küsten im Osten und Westen des Landes werfen sich abschätzende Blicke zu – auf wessen Seite steht das Gegenüber? Nell Irvin Painters Buchtitel erregt Aufmerksamkeit.
Der historische Aufbau des Buches macht sofort klar, dass das Konzept „Weißsein“ eine zentrale und determinierende Rolle in der nordamerikanischen Geschichte wie Gegenwart spielt. Aber nicht nur: schon das Inhaltsverzeichnis zeigt, dass die Entstehung der Idee vom„weißen Menschen“ unbedingt auch in kulturwissenschaftlichen ausgerichteten Studien zur Vergangenheit und Gegenwart Europas Beachtung finden sollte – die germanistische Disziplin bildet dabei keine Ausnahme, ganz im Gegenteil. Die Anthologie The Making and Unmaking of Whiteness beschreibt „Weißsein“ als eine Ausgeburt europäischer Geschichte: „Whiteness is the institutionalization of European colonialism“ (Brander Rasmussen et al 2001, 13). Nell Irvin Painters Buch bietet eine erstaunliche Menge an Anschauungsmaterialien dafür, wie deutschsprachige Literaturen und Philosophien bei dieser Institutionalisierung mitwirkten.

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Zitationsvorschlag
Fuchs, S. (2018). THE HISTORY OF WHITE PEOPLE als Denkanstoß für die germanistische Disziplin. Undercurrents ~ Forum Für Linke Literaturwissenschaft, (10). Abgerufen von http://undercurrentsforum.com/index.php/undercurrents/article/view/68
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