Liebe alte und neue Freund_innen von Undercurrents,
wir freuen uns sehr, euch zu unserem Workshop „Nicht berufen. Arbeitsverhältnisse im Literaturwissenschaftsbetrieb und politische Organisierung“ einzuladen, der von uns am Samstag, den 18.07. ab 14 Uhr in der Vierten Welt am Kottbusser Tor, Berlin-Kreuzberg (Wegbeschreibung: http://www.viertewelt.de/vierte-welt.html), stattfinden wird.

Bitte meldet euch bei Interesse unverbindlich an bis 5.7. unter: undercurrents@gmx.de
Der Workshop beginnt um 14 Uhr mit einem Podium, danach wird es Diskussionen zu verschiedenen Aspekten des Themas in Arbeitsgruppen und schliesslich eine Abschlussdiskussion zwischen Podium und Arbeitsgruppen geben.
Als Podiumsgäste zugesagt haben Jacob Denz (Graduate Student Organizing Committee New York), Dr. Michael Frey (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft), Dr. Michaela Wünsch (bbooks) und PD Dr. Ulrike Stamm (Humboldt-Universität zu Berlin)
Um 19:30h beschliessen wir den Abend mit einer Lesung mit Juliane Beer, Kathtrin Röggla und Philipp Schönthaler.
Einige weitere inhaltliche Informationen findet ihr unten.
Herzliche Grüsse von der
Undercurrents-Redaktion und dem Vorbereitungsteam für den Workshop
Der Workshop „Nicht berufen. Arbeitsverhältnisse im Literaturwissenschaftsbetrieb und politische Organisierung“ wird von uns als selbst in diesem Bereich Beschäftigten organisiert. Wir tun dies vor dem Hintergrund der Tatsache, dass die Arbeitsbedingungen für Beschäftigte an literaturwissenschaftlichen Instituten – in Übereinstimmung mit den allgemeinen neoliberalen Transformationsprozessen an den Universitäten – zunehmend prekärer werden: Viele Literaturwissenschaftler_innen arbeiten unentlohnt oder werden auf befristeten Stellen so schlecht bezahlt, dass sie zusätzlich auf Leistungen des Jobcenters angewiesen sind, was wiederum mit Gängelungen verbunden ist.
Parallel zu der beschriebenen Entwicklung beobachten wir fatalerweise ein Fehlen von kritischem Bewusstsein gegenüber diesen Arbeitsverhältnissen und in der Folge ein nahezu völliges Ausbleiben von Organisierung und Arbeitskämpfen bei den Literaturwissenschaftler_innen, ganz zu schweigen von Vernetzungen mit anderen Forschungsfeldern. Ganz im Gegenteil ist die Tatsache, dass auch die Beschäftigung mit Literatur Arbeit ist und nicht nur aus reinem Interesse oder Vergnügen erfolgt, auch unter ausgebildeten Literaturwissenschaftler_innen oft nicht präsent.
Einer der Inhalte des Workshoptags wird daher die Auseinandersetzung mit der Kategorie ‚Arbeit‘ sowie ihrer Darstellung in der Literatur sein. Der Schwerpunkt wird jedoch auf der Diskussion und Entwicklung von Perspektiven der Selbstorganisation liegen: Wie lassen sich notwendige Forderungen wie der Kampf um kürzere Arbeitszeiten und höheren Lohn mit einer grundsätzlicheren Kritik an einem kapitalistisch organisierten Wissenschaftsbetrieb verbinden? Besonders berücksichtigen möchten wir in dieser Diskussion sowohl die Tatsache, dass in der Literaturwissenschaft nicht nur Wissenschaftler_innen arbeiten, sondern auch Verwalter_innen von Wissenschaft. Sowohl Hierarchien unter Literaturwissenschaftler_innen (während die Studierenden in der Literaturwissenschaft zu 80 Prozent weiblich sind, kehrt sich das prozentuale Verhältnis mit steigendem akademischem Grad nahezu um) als auch zwischen Literaturwissenschaftler_innen und Verwaltung (schlecht bezahlte Sekretariatsstellen sind zumeist durch Frauen besetzt) sind mit einem kritischen Blick auf Geschlechterverhältnisse zu untersuchen.
Es ist Ziel der Veranstaltung, einen Bildungsprozess anzustoßen, der zum einen die Erarbeitung von kritischen Inhalten zum Thema prekäre Arbeitsverhältnisse im Wissenschaftsbetrieb ermöglicht, ein kritisches Bewusstsein der Akteur_innen fördert und ein gemeinsam erarbeitetes Konzept für politische Organisierung in der Literaturwissenschaft entstehen lässt.
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