Interviewreihe Archäologie

Seit Herbst 2014 versucht sich Undercurrents in einer neuen Interviewreihe der noch ungeschriebenen Geschichte linker Literaturwissenschaft seit circa 1968 anzunähern. Unser Anliegen ist, linke und emanzipatorische Ansätze sowie linke Praktiken und Organisierungsformen in der Literaturwissenschaft zu historisieren. Dies soll über Interviews mit Akteur_innen innerhalb und außerhalb des Betriebs geschehen.

Einen zentralen Fokus unseres Interesses bildet dabei die Frage nach Kontinuitäten linker gesellschaftskritischer Ansätze, aber auch nach historischen Zäsuren oder politischen Zerwürfnissen, die ihre Weiterführung verhindert haben. Welche ökonomischen, politischen und institutionellen Mechanismen haben dazu beigetragen, dass beispielsweise marxistische oder literatursoziologische Ansätze weitestgehend von der Bildfläche zumindest der deutschsprachigen Literaturwissenschaft verschwunden sind, oder im Sinne eines vermeintlichen ‚Endes der Geschichte‘ als überholt und ‚ewig gestrig‘ eingeschätzt werden? Gleiches lässt sich jüngst auch in Bezug auf feministische Perspektiven beobachten: Zwar finden sie ihre Residuen an einzelnen Lehrstühlen und in den Gender-Studies, dennoch tauchen sie nach dem nicht weniger vermeintlichen ‚Ende des Feminismus‘ in literaturwissenschaftlichen Vorlesungsverzeichnissen kaum mehr auf. Lässt sich dies allein auf die wechselnden Konjunkturen einer akademischen Verwertungslogik und auf eine zunehmende Neoliberalisierung der Universität zurückführen, die sich kritische Impulse einzuverleiben vermag? Oder lassen sich historische Umbruchstellen sowie deren politische Bedingungen und Dynamiken benennen? Und in welcher Weise ließe sich an abgerissene Fäden und lose Enden wieder anknüpfen?

Außerdem gilt unser Interesse den Institutionen und Akteur_innen: Welche kollektiven, solidarischen Arbeits- und Organisationsformen gab es innerhalb universitärer Institutionen, welche außerhalb? Welche Interaktionsformen bestanden zwischen der academia und den sozialen Bewegungen? Und wieweit trägt eine solche Trennung überhaupt? Fand eine Thematisierung von Arbeits- und Produktionsbedingungen statt? Gab es eine Solidarisierung mit außerhalb der Universität literaturwissenschaftlich, literaturkritisch und literarisch tätigen Leuten? Welche Austauschbeziehungen gab es zu linken Kontexten, die etwa im näheren Umfeld der Literaturproduktion angesiedelt waren?

Dem ersten, im Oktober 2014 geführten und transkribierten Gespräch mit Inge Stephan folgt in dieser Ausgabe ein im Februar 2015 schriftlich geführtes Interview mit Klaus Scherpe

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