anatomie einer soliparty

man muss diese versteinerten verhältnisse dadurch zum tanzen zwingen, dass man ihnen ihre eigne melodie vorsingt – schon karl marx metaphorisierte musik und politik in dieser ideologiekritischen parole, die zu einer umstürzlerischen losung zahlloser musikuntermalter manifestationen wurde. gegen allzu unfehlbare deutungen der marxistischen lehren und ihre autoritären anhänger wand emma goldmann ein: wenn ich nicht tanzen kann, dann ist das nicht meine revolution – ein besonders bei undogmatischen autonomen beliebter slogan. music makes the people come together, music makes the bourgeoisie and the rebels – vollendete madonna popdialektisch, womit wir uns bereits mitten auf dem euphorisch-postmaterialistischen thrashfloor einer x-beliebigen linken soliparty befinden. wie sind wir bloß so schnell dahin gekommen?

ach ja, wir haben ja diesen handkopierten flyer mitgenommen, auf dem dieses schöne motto stand und ein quietsche-entchen oder waren es gummistiefel? turnschuhe? hirsche? dinosaurier? ein umgestürztes polizeifahrzeug? es standen auch ein paar namen darauf und – zur sicherheit – in klammern auch hiphop, techno, house (oder schlimm, aber wahr: techhouse), pop, thrash, all time favourites oder 80er, aber nicht etwa: die größten hits der 70er, 80er, 90er und das beste von heute, das war im mainstreamradio. das wichtigste ist aber nicht das quietsche-entchen oder der dino und auch nicht die namen der djs, die zwar zumindest nach geschlechtervielfalt, idealerweise auch nach multiethnischer mischung und nach einer prise queer, zudem gern auch ein bisschen nach coolness klingen sollten, aber letztlich zweitrangig sind (kill you idols!); das wichtigste ist: der solizweck (kiss your ideals!). flüchtlingssoli, ea-party, antifasoli, ladyfest, repressionskostensoli – wenn wir uns mit dem zweck halbwegs anfreundinnen können, ist eigentlich alles geritzt. merke: ein guter solizweck heiligt partymäßig so ziemlich alles.

daher stehen wir also in der schlange vor diesem industriegeländeclub und warten, was einerseits gut ist, weil schlange = volle party = viel solikohle, und andererseits doof, weil schlange = anstehen = warten. wir wissen natürlich, wer daran schuld ist, dass es so langsam voran geht: es sind die bodycheckerinnen am einlass, die sich wie michelin-männchen vor der eingangstür aufbauen und uns, obwohl sie von der antifa sind, voll an die bullen erinnern. das sagen wir ihnen auch gern, wenn wir denn endlich dran sind und unseren body und unseren jutebeutel auf selbstverteidigungswaffen, illegalisierte drogen, eddings und „fremdgetränke“ (evil word!) checken lassen. besonders die türfrauen finden wir entsetzlich mackermäßig, aber das ist ja auch kein wunder in dieser branche, erklären wir uns das halbsolidarisch und genderkritisch. das allerschlimmste haben wir dann ja ohnehin schon hinter uns: die selektion. bei dem begriff denken wir natürlich an damals und dass wir hier in deutschland sind und dass das alles so typisch deutsch ist. denn wir wünschen uns natürlich am liebsten eine party ohne zugangshürden, auch wenn wir dann drinnen lieber doch keine sturzbesoffenen, keine gröhlemänner und keine kotzbrocken treffen wollen. weil wir das alles nicht sind und das trotz aller komplizierten gedanken auch glaubwürdig ausstrahlen, stehen wir schließlich an der kasse und müssen den freundlichen menschen, die hier solischichten machen, eine wichtige frage beantworten: wieviel eintritt wir bezahlen wollen. obwohl wir das vorher schon gelesen haben und es als versuch wertschätzen, den verschiedenen einkommensverhältnissen der gäste rechnung zu tragen, trifft uns die frage immer irgendwie unvorbereitet. daher müssen wir mal kurz überlegen, uns eventuell mit unseren begleiter_innen beraten, hilfsweise unsere münzen zählen und abwägen, was uns der solizweck wert ist und wie es wohl aussieht, wenn wir uns am unteren oder oberen ende der vorgeschlagenen eintrittskala einordnen. derweil klötert es hinter uns schon wieder, typisches taschencheckgeräusch, wenn alles auf einmal rausfällt, weil die security-honks darin mit ihren klumpigen handschuhhänden herumgefingert haben. was da alles drin ist, staunen wir gedankenverloren – pfeffer, messer, eddings, das ganze politprogramm – und das muss dann alles sauber eingetütet werden, damit am ende nicht jemand gepfeffert, erstochen oder vollgekrickelt wird. die noch immer freundliche wiederholung der frage, wieviel wir zahlen wollen, holt uns in die zwickmühle zurück, aus der wir uns mit einem möglichst glatten betrag befreien wollen, schließlich haben wir den laden schon eine ganze weile aufgehalten. während wir uns einen quietsche-entchen- oder hirschstempel auf das handgelenk drücken lassen, dämmert uns, warum es draußen eine so lange schlange gibt und was der variable eintrittspreis und unsere diesbezügliche entscheidungsschwäche damit zu tun haben könnte.

ist uns aber im augenblick alles egal, denn wir sind drin, drin, drin und wollen alles auf einmal und zwar sofort. weil wir nicht schon wieder anstehen wollen oder nicht einsehen, noch einen euro mehr auszugeben, um unsere jacke-jutebeutel-kombi abzugeben, gehen wir nicht zur garderobe, sondern versuchen, unser verschnürtes päckchen hinter ein sofa, auf eine box, hinter die bar, in irgendeine dunkle ecke zu quetschen. wir ahnen allenfalls dunkel, dass wir es niemals wiedersehen werden, wenn wir nicht dauernd danach schauen oder unfassbares glück haben. eventuell trösten wir uns schon jetzt mit der aussicht, dass unsere klamotten wenigstens in einer fundkiste landen, und von dort nach ca. sechs wochen knuddellagerung an refugee-projekte abgegeben werden. tröstet uns der gedanke nicht, gehen wir vielleicht doch zur garderobe, wo wir nach einiger weiterer warterei – um geld zu sparen – alles was geht in die ärmel stopfen. die freundlichen menschen, die unser knäuel dann entgegennehmen, pflücken es sorgfältig wieder auseinander, damit sie es platzsparend und materialschonend auf einen bügel hängen können. mehr geld kostet das glücklicherweise nicht – nur mehr zeit. aber das ist uns ja, wie gesagt, schon wieder alles egal, wir sind drin, drin, drin und wollen jetzt durstlöschen, dancen, dazugehören.

an den bars ist naturgemäß viel los. obwohl wir rücksichtsloses ellenbogendenken hassen und sklaventreiberische arbeitsverhältnisse verachten, geht uns das alles zu langsam. das abgecoolte, mitunter abgehalfterte barpersonal trödelt rum oder scheint immer genau uns nicht zu bedienen, es ist wie verhext. zu teuer ist es sowieso, weshalb wir, wenn wir endlich an der reihe sind, erstmal nach den biersorten fragen. leider ist es zu laut, um die antwort zu verstehen, weshalb wir dann einfach das billigste nehmen, was wir ja eh gewollt hätten, egal welche sorten sie hier haben. beim bezahlen stutzen wir, weil noch das pfand obendrauf kommt, das hatten wir nicht mit berechnet, also nochmal kleingeld raus kramen, abzählen, bezahlen, bier! mindestens viermal so teuer wie im späti, denken wir, aber immerhin kalt. aber mit alles für alle und zwar umsonst hat das alles nichts zu tun, denken wir auch. ans trinkgeld denken wir eher nicht, siehe teuer. im laufe der nacht werden wir noch öfter bestellen, durch fleißiges pfandsammeln wird der abend erschwinglicher und wir betrunkener – freundlicher wirken die barleute jedoch nicht. ob sie ausgebeutet werden? einen schlechten tag haben? das trinkgeld vermissen?

dann klappern wir nacheinander die floors ab. techno finden wir geil, vor allem wenn druckvoll, und noch geiler, wenn von den frauen, die auf dem flyer standen, aufgelegt. wenn wir techno doch nicht so geil finden, gefällt uns house dafür umso besser. so genau können wir das eventuell auch gar nicht auseinanderhalten, halten es für gehobenes nerd- bzw. angebertum oder beides sowieso für seelenlose maschinenmusik, weshalb wir in letzteren fällen nur hier und da widerwillig wippen und sehnsüchtig nach einem trashfloor (dazu später) ausschau halten. falls wir uns jedoch aus echter begeisterung für clubmusik, für die intensive, treibende, elektrisch aufgeladene erlebniswelt des vom 4/4-takt diktierten dancefloors entscheiden, dann geht es uns gut. wir brauchen dann nicht mehr als ein bisschen platz, ab und zu einen schluck flüssigkeit, und den zärtlichen respekt der crowd, die nicht schupst, antanzt, glotzt oder tatscht, sondern die sich wie wir in den beat fallen lässt wie ein federnder, wogender organismus, ein kollektiver resonanzkörper, in dem wir im besten sinne berührungslos aufgehoben sind. in solchen momenten sind wir glücklich, und wir genießen sie, denn sie sind kostbar und immer latent bedroht, denn auch wenn wir auf einer soliparty sind, uns also unter unseresgleichen wähnen, wissen wir doch, dass es leider auch im temporären partyparadies genügend honks, besoffkis und idioten gibt, die die basics nicht begriffen haben oder sich gezielt über sie hinwegsetzen. für solche fallbeispiele gibt es dankenswerterweise den escort-service vom einlass, der diskret und zügig einschreitet, wenn es gästen an respekt mangelt. auch wenn wir ihr auftreten gelegentlich für martialisch, militaristisch oder mackermäßig halten, sind wir doch erleichtert, wenn sie aufs richtige stichwort handeln und sich kein lamento wider das benennungsrecht, kein „so war das doch gar nicht gemeint“ aufquatschen lassen. indes sind es nicht die eindeutigen anmachen, übergriffe, dreistigkeiten, die die intervention kompliziert machen, sondern all jene grauzonalen verhaltensweisen, bei denen wir uns selbst nicht sicher sind, ob wir sie sanktionieren wollen oder uns das die sache doch nicht wert ist, denn eigentlich wollen wir uns ja gehenlassen und nicht nachdenken, wollen feiern und nicht kopfrocken, wollen rein in den flow und kein stipp-stopp-weiter.

eine solche komplexe angelegenheit ist z.b. das partielle entkleiden. denn so sehr wir uns ausgelassenen hedonismus und unbedrängte körper wünschen, so sehr hindert uns mackergehabe und oberkörperfrei-gegockel daran. die grenzen verlaufen so fließend wie der schweiß, stereotypen, klischees, sehnsüchte und glücksgefühle ringen in unserem über-ich miteinander, wir pendeln zwischen feeling good und rundumreflexion, wir wollen keinen scheiß erleben und uns nicht dauernd abgrenzen, sondern uns fallenlassen, spüren, fühlen, teilen, sind aber trotzdem auf der hut und schauen nacheinander, denn unsere erfahrung sagt uns: anders geht es nicht. schließlich haben wir uns heute bewusst entschieden, nicht in einem rundum saven schutzraum zu tanzen, sondern dorthin zu gehen, wo auch viele andere sind, und uns die räume zu nehmen, in dem wir uns ausleben, sie mit selbstbewusster präsenz füllen, sie nicht dem auch in uns und um uns herum präsenten normalotum überlassen. dass das nicht immer verletzungsfrei ausgeht, dass es unangenehm werden kann, dass wir unterschiedliche grenzen haben und uns vielleicht gerade die dinge triggern, die gleichgesinnte besonders schätzen wie etwa nebel, der uns wohlwollend verschlucken, einhüllen, intensivieren kann oder auf uns ängstigend, bedrohend, übergriffig wirkt, nehmen wir in kauf. es ist – mal wieder – das kleinere übel, für das wir uns entscheiden, ohne dass es deshalb wirklich mehr als ein paar freiheitsgrade besser wäre. das tanzen mit widersprüchen – es gehört zu unserer identität, die wir niemals wirklich loswerden. aber wenn es gut läuft, und heute läuft es gut, dann sind wir souveräner teil einer kritischen masse, in der die mehrheitsverhältnisse für die dauer eines tracks, eines sets, einer nacht auf den kopf gestellt werden. auch deswegen, solizweck my ass, sind wir hier.

irgendwann müssen wir runter vom dancefloor, weil unsere blase einfach zu doll drückt. die toiletten – alles andere als stille örtchen – entdecken wir schnell, haben aber mühe, die richtige für uns ausfindig zu machen. wenn wir uns als personen jenseits der normierten geschlechterordnung definieren, vermissen wir eventuell ausgewiesene transgender-toiletten, ehe wir begreifen, dass in diesem club die toiletten, anders als gesellschaftlich normiert und von uns im grunde erwartet, nicht erkennbar in frauen- oder männer-klos aufgeteilt sind, sondern allen für sämtliche absichten – auch solche, die über die abgabe von flüssig- und festigkeiten hinausgehen – zur verfügung stehen. warten müssen wir nur, wenn wir ungestört sein wollen.

nach der abgabe ist vor der aufnahme. zum guten ton einer soliparty gehört die vokü oder – seit die linksromantische volksvorstellung etwas ins abseits geraten ist – ein antivolksbegriffliches äquivalent. sie zieht uns an, wenn wir plötzlich hunger haben, uns auf einmal langweilen oder jemand kennen, der dort mitmischt. sie ist meist leicht zu finden, entweder wir folgen dem penetranten geruch, oder wir kommen zwangsläufig an ihr vorbei, weil sie gegen die absprachen irgendwo in den weg gebaut wurde, weil diejenigen, die die absprachen getroffen haben, in aller regel beim aufbau gerade nicht da waren. hier bereiten meistens ungelernte seelenruhig auf einem tapeziertisch eine art flohmarktmahlzeit zwischen hobbyküche und armenspeisung zu, die es gegen soligroschen zu kaufen gibt. dass es bei dieser essensausgabe hygienisch meistens eher bedenklich zugeht und niemand, der solimäßig, d.h. in moralisch einwandfreier selbstausbeutung, waffeln plättet oder vegane suppe in näpfe löffelt, eine rote karte vorweisen muss, entschuldigen wir je zur hälfte mit entschiedener verachtung postnazistischer gesundheitsvorschriften sowie mit dem eurozentrismuskritischen verweis auf die herkunftsländer der refugees, in denen oft viel schlimmere zustände herrschen. ob es uns schmeckt, ist ohnehin zweitrangig. merke: ein guter solizweck heiligt essensmäßig so ziemlich alles.

nach dem essen, nach dem händewaschen, lassen wir uns wieder von einer bassline einfangen, tauchen wir ein in die kollektive magie des dancefloors, schwelgen im repetitiven beat und lassen uns zu harmonischen gedanken hinreißen, die uns nur hier, nur im zentrum des sinnesrauschen, ganz und gar wahrhaftig erscheinen. wenn es weiterhin gut läuft, erleben wir das konzept club in seinen schönsten facetten, und das drücken wir aus durch unsere moves, unser euphorisches johlen, unsere arme in der luft. wir erleben abfahrt, und wir feiern, als gäbe es kein übermorgen!

eventuell haben wir damit bereits alles erlebt, was uns diese party zu bieten hat. es sei denn, wir fremdeln mit diesem techno-house-ding doch stärker als wir dachten und sind daher mehr als erleichtert, als wir aus einer unscheinbaren ecke plötzlich die ersten takte von „like a prayer“ zu hören glauben. können wir unseren ohren trauen? haben wir wirklich gerade an diesem ort den unwiderstehlichen lockruf der queen of pop vernommen? kurz danach vergehen uns hören und sehen – denn der postidentitäre hochofen einer jeden soliparty ist ohne jeden zweifel der thrashfloor. was wir dort erleben, glaubt uns hinterher niemand. dort setzen sich menschen wie wir, also solche mit einem dezidiert linken, linksradikalen oder sogar linksextremistischen weltbild (zur selbstverortung auf dieser skala bitte die aktuelle studie zu linksextremismus des forschungsverbunds sed-staat hinzuziehen), einem akustisch meist übersteuerten, da in mp3-qualität abgespielten „anything goes“ aus, und das völlig freiwillig. hier treffen wir auf unsere vergangenheit in form der größten hits der 70er, 80er, 90er, dazu natürlich das beste von heute und surfen glückselig auf nicht abreißenden wogen des wiedererkennens, zelebrieren das kollektiv-entgrenzende déjà-vu. wir schleudern die arme hoch, hopsen, pogen, schunkeln, unsere augen strahlen wie an neujahr und wir gröhlen refrains, eingeprägte strophen, vernuscheln fragmente und falschgemerkte lines, wackeln wie britney und luftgitarrenriffen wie alice (who the fuck is alice?) cooper. es ist saueng, alle tanzen mit allen, wir kleben aneinander und freuen uns über jede neue nummer, die aus den boxen wummert. jedes neue intro jagt uns wohlige schauer über den rücken, wir kennen alles, alles, alles, und um uns herum kennen es alle, alle, alle. kurzum: wir können gar nicht genug bekommen von all den musikalischen blödheiten, die uns überall sonst als soundtrack der heteronormativät, als ausdruck dumpfer mainstreamigkeit, als hymnen der mehrheitsgesellschaft umzingeln, jetzt und hier uns aber in schiere verzückung versetzen. hier erleben wir den zauber der ironischen brechung, das falsche, das sich richtig anfühlen kann, hier verherrlichen wir also eine wahrheit, die eigentlich immer und überall gelten sollte, von uns aber oft vehement bestritten wird: der kontext ist allmächtig. sie gestattet uns ausgerechnet auf dem thrashfloor eine ungefährliche entladung unserer sehnsüchte nach zugehörigkeit,

gruppenerfahrung und normalität. sie erlaubt uns, egal ob antideutsch oder nicht, die „kids in america“ zu sein, die wir nun mal nicht sind, ebenso wenig wie wir „touched for the very first time“ wurden oder es – oops – schon wieder getan haben. wenn etwas fehl am platze ist auf dem trashfloor, dann ist es unsere fähigkeit zur (selbst)reflexion, weshalb wir einfach die rezeptorische perspektive in richtung „ist mir total egal“ aufheben.

irgendwann sind dann unsere jubelbatterien alle, und wir müssen an die frische luft, oder auch ganz nachhause, denn es ist schon hell und alle, die wir kennen, sind plötzlich schon längst weg. langsam kehren ohnehin bruchstücke unseres weltbildes zurück und wir erinnern uns daran, was eigentlich der solizweck war und was wir gerade alles erlebt haben. weil wir es gut meinen, vermissen wir auf der antirassischen soliparty plötzlich musik für die geflüchteten, von denen ja auch einige hier waren. wir sagen deshalb beim herausgehen aus dem bauch heraus (und mit einem anflug von erhabenheit, weil es uns noch rechtzeitig aufgefallen ist), dass wir es gut gefunden hätten, wenn auch für die, denen ja schließlich das geld zugutekommen soll, musik dagewesen wäre. falls wir zurückgefragt werden, was denn das für eine musik hätte sein sollen, werden wir etwas nervös, vielleicht weil wir merken, dass wir uns irgendwie vergaloppiert haben. statt zurückzurudern sagen wir aber in positiv rassistischem projektionssprech: na z.b. world music, ethnobeats oder so ragga. trommeln oder buschmusik sagen wir aber glücklicherweise nicht. dann sind wir vielleicht auch froh, wieder draußen zu sein und den komplizierten parcours aus triggern, taschenkontrollen und toiletten, den wir für die gute sache absolviert haben, hinter uns gelassen zu haben. indes klingt in uns lange ein ohrwurm nach, und noch im einschlafen summen wir „i close my eyes, oh god i think i’m falling, out of the sky, i close my eyes, heaven help me“ … danach sind wir längst in unseren träumen versunken.

am nächsten tag ahnen wir durch unseren kater hindurch wieder ganz genau, in was für einem system wir leben, denn spätestens morgen müssen wir wieder funktionieren, lohnarbeiten, reproduzieren. montagsfrüh schalten wir das morgenradio nach den ersten takten gleich wieder aus. denn schon blumfeld wussten: dieser zustand ist nicht tanzbar.

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