Marxismus und Literaturwissenschaft am Beispiel des Argument

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Helmut Peitsch

Abstract

In der Geschichte des marxistischen Materialismus innerhalb germanistischer Debatten seit den 1960er/1970ern, nach der der CfA von Undercurrents im Dezember 2017 fragte, hat die 1959 begründete Westberliner Zeitschrift Das Argument, seit 1969 als Zeitschrift für Philosophie und Sozialwissenschaften, eine Rolle gespielt. Ihr in der sich entwickelnden Bewegung der Atomwaffengegner engagierter Gründer und Herausgeber Wolfgang Fritz Haug hat in seinem Beitrag zum 50-jährigen Jubiläum über „Ursprünge des Argument-Marxismus“ das erste Heft, das unter dem Titel „Fragen marxistischer Theorie (I)“ erschien, insofern als bedeutsam hervorgehoben, als es angekündigt habe: „Hier will man in Sachen Marxismus von jetzt ab ein Wort mitreden.“ (Haug 2009a, 152) Auf den auffälligen Umstand, dass es mit den drei Aufsätzen zu Georg Lukács, Bertolt Brecht und Walter Benjamin 1968 das Feld der Literatur war, auf dem Marxismus erstmals und programmatisch zum Thema eines Argument-Heftes wurde, ist Haug 2009 nicht eingegangen, sondern hat im selben Jahr in einem Sammelband zum 40-jährigen Jubiläum von ‚1968‘ zu „Werner Mittenzweis für uns überaus wichtige[r] Darstellung der Brecht-Lukács-Debatte“ bekräftigt: „Diese Debatte fand und findet mich noch immer auf der Seite Brechts“ (Haug 2009b, 41; vgl. Mittenzwei 1968). Haug hatte Brecht 1995 im Historisch-kritischen Wörterbuch des Marxismus zum Subjekt einer „Brecht-Linie“ erhoben: „Brecht wurde für diese Generation [der Studentenbewegung] zum wichtigsten Lehrer marxistischen Denkens“ (Haug 1995, 340), 2009 beansprucht Haug eine Kontinuität des Argument-Marxismus, indem er Brechts Kapital- und Lenin-Lektüre seine „Erfahrung hinzufüg[t], daß mir bei Materialanalysen ein Licht über materialistische Dialektik aufgegangen ist, wo es darum ging, eine immanente Ordnung aus dem Material herauszudestillieren“ (Haug 2009a, 152-153): „Den Begriffswerkzeugen, zu deren Neubildung er [der Marx der Kritik der politischen Ökonomie] mich anregte, schloss mein Material sich wie von selbst auf. Ich rezipierte Marx durch den Filter der […] theoriebildenden Praxis.“ (153)

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Zitationsvorschlag
Peitsch, H. (2018). Marxismus und Literaturwissenschaft am Beispiel des Argument. Undercurrents ~ Forum Für Linke Literaturwissenschaft, (11). Abgerufen von http://undercurrentsforum.com/index.php/undercurrents/article/view/74
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